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Bitcoins - Ein neues Spekulationsinstrument

Nov 18, 2017
Kryptowährung ohne gesamtwirtschaftliche Rationalität

Das digitale Zeitalter macht auch vor dem bisher streng staatlichen, über Notenbanken gesteuerten Geldsystem nicht halt. Die Kampfansage durch die de-zentralen, komplett anonymen Digitalwährungen ist unüberhörbar. Von den bereits über 800 Währungen ohne jeglichen Bezug zur realökonomischen Wertschöpfung ist das Bitcoin-System der Platzhirsch. Dabei erweist sich die streng gestaltete Bitcoin-Münze als ein Fake. Dieses auf Computern mit entsprechender Software hin und her geschobene sowie auch selbst erzeugbare Geld ist substanzlos, also virtuell. Einzig und allein das Vertrauen in diese Digitalwährung zählt. Während sich die staatlich garantierte Geldversorgung der Wirtschaft durch die Notenbanken im Zusammenspiel mit den Geschäftsbanken an der Nachfrage nach stabilem Geld mit dem Ziel eines inflationsfreien Wirtschaftswachstums orientiert, will das Bitcoingeld die zielorientierte monetäre Steuerung vermeiden.

Zwei klassische Funktionen kennt die dezentrale Währung auch: Sie dient als dezentral gesteuertes und komplett anonymes Zahlungsmittel ohne staatliche Kontrolle für den Kauf und Verkauf von Gütern und Dienstleistungen. Dazu kommt die Funktion der Bitcoins als ein Asset, mit dem spekuliert werden kann. Der Preis dieses Vermögenswertes ist der Devisenkurs, der beim Umtausch in offiziell-staatliche Währungen fällig wird. Dieser Wechselkurs verleiht der Währung ohne Substanz über die Devisenmärkte einen Marktwert. Spekuliert wird auf Gewinne durch den späteren Verkauf des heute preiswerter eingekauften Bitcoin-Assets. Im längerfristigen Trend hat das Spekulationsinteresse den Marktwert dieser Digitalwährung seit ihrer Einführung 2009 enorm nach oben getrieben. Wer Ende Oktober des letzten Jahres einen Bitcoin zu 648,75 € gekauft hatte, konnte genau ein Jahr später mit einer Steigerung von 665 % diesen Bitcoin mit 4965,93 € verkaufen. Allerdings schwanken die Bitcoinkurse gegenüber herkömmlichen Währungen auffällig stark. Ende Oktober 2017 wird die Anzahl der Bitcoins mit 16,66 Millionen angegeben. Deren Devisenmarktwert liegt nach Angaben der Internetseite „Coinmarketcap“ bei knapp 120 Mrd. US$.

Dezentral-digitales Buchungssystem – Basis der Kryptowährung
Wie funktioniert diese Währung? Die Basis bildet ein weltweit verbreitetes de-zentrales Netzwerk zur Erfassung und Abwicklung der Zahlungsvorgänge. Es handelt sich um eine Art digitales Buchführungssystem. Die Daten zu den Transaktionen werden in Blöcken abgepackt und in der Datenbank aufgelistet („Blockchain“). Dabei sichert die Verschlüsselung der elektronischen Datensätze mit Kryptomethoden die Anonymität dem Eigentümer von Bitcoins sowie den Empfängern und den Zahlern. Die entsprechende Bitcoin-Verschlüsselungssoftware hatte Ende 2008 unter dem japanischen Pseudonym Satoshi Nakamoto das Licht der Welt erblickt. Präsentiert wurde eine Peer-to-Peer-Version von elektronischen Zahlungen von einer Partei an die andere ohne zwischengeschaltete Geschäftsbanken. Zur Verfügung stehen den Teilnehmern anonymisierte Bitcoin-Wallet (elektronisch Geldbörsen).Es wird kolportiert, dem Erfinder seien die Bankgebühren zur Bezahlung aus England gelieferter Modelleisenbahnen zu teuer und zu langsam realisiert worden. Mit viel Aufwand lassen sich in diesem System auch Bitcoins geschaffen werden. Dazu ist der Einsatz spezieller Hochleistungsrechner erforderlich. Vergleichbar der Lösung eines aufwändigen Suchrätsels wird mit viel Zeit und dem Einsatz von Energie Bitcoin-Geld durch die „Miner“ geschürft. Dabei ist die Kapazität der Geldschaffung durch das programmierte System mit einer immer schwieriger zu beherrschenden Software beschränkt. So müssen heute spezielle, leistungs-starke Grafikcharten eingesetzt werden. Ein eingepflanzter Algorithmus sorgt dafür, dass alle vier Jahre die Zahl der neu erzeugbaren Bitcoins halbiert wird (seit dem letzten Jahr pro neuem, hinzugefügtem Block nur noch 12,5 statt 25 Bitcoins). Nach dem derzeitigen Stand des programmierten Systems lassen sich in diesem dezentralen Netzwerk bis Anfang 2030 insgesamt nur 21 Millionen schürfen.

Bitcoin – billig, schnell, anonym
Die Vorteile dieser Verschlüsselung der Bit und Bytes liegen auf der Hand: billiger gegenüber den üblichen Bankgebühren, schneller und vor allem anonym für die Empfänger und die Zahler. Im System ist für Transaktionen eine vergleichsweise niedrige Gebühr eingebaut (Mindestgebühr bei einem Kurs von 1000 € etwa 1 Euro-Cent pro Kilobyte; freiwillige höhere Bezahlung führt zu höherer Priorität beim Bestätigungsvorgang). Im System wird heftig über die Programmierung einer erhöhten Transaktionsgeschwindigkeit und die Senkung der Transaktionskosten gestritten. Die Transaktionsgebühr wird den „Minern“ gutgeschrieben, also denjenigen, die mit dieser Transaktion durch die Blockbildung im Datensystem Bitcoins schürfen.

Den Vorteilen stehen jedoch massive Risiken gegenüber. Die Anonymität lässt die Finanzierung wirtschaftskrimineller Geschäfte wie Drogen- und Waffenhandel sowie des Terrorismus zu. Die anonyme Kryptowährung des „Darknets“ und der Steuerhinterziehung sind die Bitcoins. Aber auch Hackerangriffe haben immer wieder Erfolg. Allein im August 2016 haben Hacker den Bitcoins mit einem Marktwert von 58 Mio. € vernichtet. In China führt die Anonymität zu ganz anderen Problemen. Die Kryptowährung expandiert massiv, denn durch die Anonymisierung lassen sich derzeit Vermögen an der staatlichen Kontrolle vorbei ins Ausland transferieren und damit Kapitalverkehrskontrollen umgehen. Deshalb sind die Handelsplattformen für Bitcoins in China geschlossen worden.

Von den Befürwortern wird immer wieder gelobt, durch die in das dezentral anonymisierte Netzwerk eingebaute Begrenzung der schürfbaren Geldmenge auf 21 Millionen bis aus heutiger Sicht 2030 würde Inflation ausgeschlossen. Diese Behauptung belegt die makroökonomische Inkompetenz der Bitcoin-Community mit ihren Computerfreaks. Die Argumentation erinnert an die Goldwährung, mit der die Finanzierung der wachsenden Wirtschaft durch vorgegebene Goldbestände behindert worden wäre. Dagegen muss ein modernes, leistungsfähiges Geldsystem heute die Geldnachfrage bedienen, die durch ein angemessenes Wirtschaftswachstum ohne strukturelle Inflation erforderlich ist. Auf dieses Ziel die Geldversorgung auszusteuern ist die allerdings schwierige Aufgabe der Notenbanken. Wäre Bitcoin das Weltwährungssystem, dann würden Deflation und ökonomischer Niedergang mangels ausreichendem Geldangebot unvermeidbar. Das ist der Preis der für die Ideologie des staatsfreien Individuums ohne Notenbankmonopol bezahlt werden muss (Satoshi Nakamoto: „freies Geld, welches nicht vom Staat kontrolliert werden kann“; im acht Seiten umfassenden Whitepaper vom 1.11.2008 mit dem schlichten Titel "Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System".)

Hände weg vom Spekulationsobjekt Bitcoin
Während in absehbarer Zeit diese Kryptowährung für den Kauf von Gütern und Dienstleistungen eine geringe Rolle spielen wird, ist für den renditehungrigen Anleger ein neues Zockerinstrument geschaffen worden. Auf Spekulationsgewinne durch steigende Umtauschkurse der Bitcoins gegenüber den offiziell regulierten Staatswährungen wird gesetzt. Getrieben wird das Geschäft durch die Bitcoin-Broker, die am Ende satte Gewinne erzielen (aus der Differenz der Einkaufs- und Verkaufskurse, sog. Spreads). Der Bitcoinspekulant sei vor den wenig transparenten und oftmals unterschiedlichen Gebühren und Provisionen der verschiedenen Handelsplattformen gewarnt.

Noch von den staatlichen Finanzaufsichtsbehörden zumindest gebremst, wird mit speziellen Instrumenten („Termingeschäfte“) auf künftige Kursentwicklung massenhaft spekuliert werden können. Auf börsennotierte Bitcoin-Fonds freuen sich selbst die institutionellen Anleger. Wer mit Bitcoins spekuliert, muss wissen, dass der seit dem Start 2009 im Trend steigende Kursdurch kurzfristig heftige Schwankungen geprägt ist. So ist am zweiten Wochenende im Oktober 2017 der Kurs vom Rekordhoch mit 7 900 US$ in wenigen Stunden um 2.300 € abgestürzt. Vermutete Ursachen sind: Zweifel in die längerfristige Stabilität auch durch wachsenden Regulierungsdruck, kriminelle Machenschaften sowie den Streit der Macher über eine beschleunigte Transaktionsgeschwindigkeit und Reduzierung der Transaktionskosten.

In der virtuellen Welt des Geldes wächst gegenüber der soliden Vertrauensbasis eine Spekulationsblase heran. Wenn die spekulativ nach oben getriebenen Umtauschkurse platzen, dann bricht das ohnehin fragile Vertrauen in diese Währung zusammen. Der Umtausch der Bitcoins in offizielle Währungen führt zu Verlusten der Bitcoineigner. Die Anerkennung als staatlich unkontrolliertes Zahlungsmittel wäre futsch. Es gibt im Unterschied zur regulierten Geldpolitik, keine Möglichkeit um das Geldangebot und die Geldnachfrage zu steuern. Insgesamt wird die Finanzwelt zu Lasten der Realwirtschaft noch instabiler und krisenanfälliger. Diese erkennbaren Risiken und Fehlentwicklungen rufen heute schon die Finanzaufsichten in aller Welt auf den Plan. Während die meisten Länder restriktiv vorgehen, anerkennt derzeit nur Japan seit diesem Jahr Bitcoins als Zahlungsmittel. Von einem einzigen „Betrug“ (Jamie Diamond, JP Morgan) ist auf den Finanzmärkten die Rede. Was tun? Diese Kryptowährungen lassen sich mit den Daten auf abertausenden Computern genau so wenig wie das Internet verbieten. Umso wichtiger ist der Rat: Hände weg von diesem digitalen Handel mit Geldillusionen. Der Einsatz der Kryptowährungen als hoch gefährliche Spekulationsobjekte muss gebremst werden. In einem ersten Schritt müssen Verbraucher gewarnt werden. Sollten immer wieder Spekulationsblasen drohen, dann wird der Umtausch der Bitcoins in staatliche gesicherte Währungen wie dem € oder dem US$ untersagt werden müssen.

Last modified: Nov 18, 2017

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